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Integrative Stadtentwicklung für die Landauer City - ohne ECE

Von Udo Lichtenthäler und Dennis Gallinger

Die Landauer Innenstadt muss als Arbeits-, Einkaufs- und Lebensbereich gestärkt und, wo erforderlich, reaktiviert werden. Es gilt, die Weichen für eine vitale Innenstadt zu stellen mit vielfältigen Nutzungen, einer funktionierenden Nahversorgung und lebendigen Nachbarschaften. Außerdem ist dafür Sorge zu tragen, dass der innerstädtische Einzelhandel nicht durch weitere Konkurrenz vor den Toren der Stadt oder international operierende Projektgesellschaften zerstört wird.

Die Stellungnahme des Büros Junker und Krause bildet eine kompetente Grundlage für die Beurteilung von Ansiedlungswünschen potenzieller Investoren. Landau ist charakterisiert durch einen hohen Branchen- und Betriebstypenmix mit Defiziten in der Betriebsgrößenstruktur. Wer in Landaus City ein zusätzliches Verkaufsflächenangebot befürwortet, muss zur Kenntnis nehmen, dass umverteilungsneutrale Spielräume nur bei ca. 2500 qm liegen. Von der Entwicklung eines ECE-Centers mit einem Volumen von mehr als 6000 qm Verkaufsfläche an einem einzigen Standort rät das Junkersche Gutachten daher ab. Die möglichen Folgen einer Handelsimmobilie in einer solchen Größenordnung müssen bedacht werden. Zahlreiche Beispiele deutscher Mittel- und Großstädte zeigen, dass Mietpreissteigerungen im Zentrum „kleine“ Händler verdrängen und der innenstadtnahe Verkehr zunimmt. Eine Neuansiedlung in Landau darf in keinem Fall zu weiteren Leerständen oder Niedrigpreisläden im Fußgängerzonenbereich führen. Daher sprechen wir uns für eine mehrpolige Lösung mit mindestens zwei Standorten und einer schrittweisen Entwicklung aus, wobei neben dem Standort Gauer auch die südliche Altstadt berücksichtigt werden sollte. So würde sich z.B. die Einmietung eines „Großtextilers“ mit drei oder vier weiteren Verkaufsläden problemlos in das historische Kaufhausambiente des Jugendstilhauses Jooss am Obertorplatz einfügen. Dies könnte u.U. dazu beitragen, das im Einzelhandelsspektrum der City bereits bestehende Ungleichgewicht zwischen nördlicher und südlicher Altstadt auszugleichen.

Zum „Erbe Wolff“ gehört auch, aus der ECL-Blamage zu lernen. So verwundert es doch, wenn in der jüngsten Stellungnahme der neuen Mehrheitskoalition gegen alle Vernunft einem Einkaufscenter mit einer Verkaufsfläche von mehr als 6000 qm das Wort geredet wird. Nach dem Beschluss im Bauausschuss vom 10.01.08 muss vielmehr für die nun folgenden Diskussionen gelten: Planen im Bestand und die Nutzung des architektonisch einmaligen Potenzials - sei es das stimmige Ensemble des Obertorplatzes oder die historische Fassade des Gauer-Hauses. Wir sind davon überzeugt, dass eine zukunftsfähige Entwicklung der Landauer City gelingen kann, vorausgesetzt, alle Akteure arbeiten zusammen und Bürgerinnen und Bürger werden von Anfang an miteinbezogen.

UDO LICHTENTHÄLER, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen
DENNIS GALLINGER, Sprecher der Arbeitsgruppe „Verkehr und Stadtentwicklung“ im Stadtverband Bündnis 90/Die Grünen

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