Vor der Wahl: Die deutsche Landwirtschaft soll nicht zur Beute industrieller Großkonzerne werden, denen die Bauern nur als billige Rohstofflieferanten dienen. Das fordern die Grünen.
„Heute haben wir leere Teller", freut sich Tobias Lindner. Der südpfälzische Bundestagskandidat der Grünen, privat ein Genießer von Pasta, Spargel oder Erdbeeren, lud am Samstag die Passanten in der Landauer Fußgängerzone zu einem Biomahl ein - und viele ließen es sich schmecken. Als Dessert servierte Lindner politische Gespräche mit Ulrike Höfken, der ernährungs- und landwirtschaftlichen Sprecherin der Öko-Partei im Bundestag.
Am Herd steht Klaus Helbig. Der 60-jährige Ur-Pfälzer aus Bad Dürkheim lebt in Berlin, betreibt dort die erste biozertifizierte Mensa Deutschlands, versorgt dort Schüler mit gesundem Essen und stopft auch mal grünen Spitzenpolitikern die hungrigen Mäuler, wenn sie bei einer Klausur kein Ende finden. Den Landauer Gourmets tischte Helbig Gemüse aus dem Wok auf, alles aus der Region - Blumenkohl und Brokkoli, Lauch und Chinakohl, dazu Naturreis, den eine Prise Curcuma goldgelb gefärbt hat.
Ulrike Höfken putzt sich den Mund ab, wischt die Hände an der weißen Schürze sauber und legt los. Wäre sie in Berlin Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, „würde ich sofort die Milchmenge reduzieren". Das würde keinen Cent kosten, aber den
Milchbauern aus ihrer Existenznot helfen. „Wir müssen unsere mittelständischen landwirtschaftlichen Betriebe erhalten", fordert Höfken. Grund und Boden seien „unheimlich wertvoll" für die Zukunft des Landes. Gentechnisch veränderte Saat soll auf den Äckern jedoch nicht aufgehen. „Von den Menschen wird das nicht gewollt", beharrt Lindner, er propagiert die Südpfalz als eine
von vielen künftig gentechnikfreien Regionen in Deutschland. Höfken hat nichts gegen die Erforschung und Produktion genmanipulierter Pflanzen in geschlossenen Systemen. Nur an die frische Luft sollen sie nicht kommen. Sie fürchtet, dass „man einen Sack Flöhe auf die Marktplätze loslässt". Höfken will auch das Gentechnik-Gesetz nachbessern. So seien Fragen der Imker, was aus dem Pollenflug der Bienen werden soll, in diesem Zusammenhang noch nicht schlüssig beantwortet.
Gesprochen haben die Grünen mit südpfälzischen Tabakpflanzern über deren Zukunftsängste. Dass die Subventionen auslaufen, daran sei politisch nicht zu rütteln, und es sei schwierig, die Betriebe mit Alternativen auf ihrem Einkommensniveau zu
halten, nimmt Höfken kein Blatt vor den Mund. Das Interesse an nachwachsenden Rohstoffen könnte vielleicht einen Ausweg bieten, Heilpflanzen und Parfümkräuter die Tabakblätter ersetzen. Doch dazu bedürfe es einer aktiven Marktstrategie, so Lindner. (gau)
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