Grüne in Landau

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Sonntag, 20. Mai 2012

Kontrolle ist alles

19.08.2009: 

DIE RHEINPFALZ

Abwesende Nazis, anwesende Bürger, pflichtbewusste

Polizei - Eine Nachbetrachtung von Andreas Sebald

Stell dir vor, es ist Nazi-Aufmarsch und keiner geht hin. Also keiner von den Nazis wohlgemerkt. Genau das ist am Montagabend in Landau passiert. Per Internet hatte sich die rechtsextreme Szene verabredet, wollte an der Ecke Westbahnstraße/Westring
des Todestags von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß gedenken. Und das wollten die Ewiggestrigen, ganz modern, mit einem Flashmob tun. Das ist neudeutsch und beschreibt das scheinbar spontane Zusammenkommen, um etwas Sinnloses zu tun. Wie
passend. In diesem Fall wollten die Rechten die Schlussworte Heß" vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal nachsprechen. Turmschlag 19.30 Uhr sollte es so weit sein. So stand es zumindest im Internet. So weit die Theorie: In der Praxis waren um Viertel nach sieben ein gutes Dutzend - offensichtliche - Verteidiger der Demokratie zusammengekommen. Die Fahne der Jusos flatterte im Wind der vorbeifahrenden Autos, dazu ein Banner, auf dem eine Faust ein Hakenkreuz zertrümmert. „ Gegen Nazis" stand klipp und klar unter dem Logo. Zum Protest gesellten sich auch noch mehrere Kommunalpolitiker, darunter Landauer Stadträte sowie Mitglieder der Grünen - und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Doch Springerstiefel, Reichskriegsflaggen, dumpfe Gesichter blieben Fehlanzeige. Hatten die Braunen vergessen, ihre Uhren zu stellen? Pünktlich waren dagegen die Besatzungen von vier Streifenwagen, Zivilbeamte nicht mitgerechnet. Während der Wartezeit gingen die Beamten auf Nummer sicher: Ausweis-Kontrolle am angekündigten Austragungsort des Flashmobs. Man will ja wissen, mit wem man es zu tun hat. Auch der Grünen-Kreisvorsitzende Peter Kallusek und SPD-Stadträtin Moni Vogler mussten ihre Papiere zücken. Sicher ist sicher. Nicht jeder Polizist kennt die Landauer Kommunalpolitik und deren Köpfe wie seine Uniformtasche. Das Warten ging weiter. 19.30 Uhr kam und ging wieder. Von den Rechten keine Spur. Außer Spesen nichts gewesen. Allerdings bleibt ein bitterer beigeschmack: Wer irgendwo - wie so oft in Sonntagsreden von Politikern gefordert - eindeutig Stellung beziehen will gegen Rechts, der hat es nicht immer leicht. Und sollte immer seinen Ausweis dabei haben.

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