Grüne laden zur Podiumsdiskussion zum Thema „Schulessen" ein - Weniger Fleisch und mehr Bioprodukte - Bewusstsein schaffen
Mit der Einführung der Ganztagsschulen ist das Thema Essen zum Politikum geworden. Es soll gesund sein, gut schmecken und wenig kosten. Von der Basis kommen immer wieder Klagen, das Essen sei ungesund, zu kalt, zu fettig. Die Landauer Grünen machten das Thema jetzt zum Gegenstand einer Podiumsdiskussion.
Eine Eingabe der Landauer Grünen an den Stadtrat hatte zu einer Anhörung aller Landauer Schulen geführt. Dabei stellte sich heraus, dass auch beim Thema Essen die Geschmäcker verschieden sind. „Um die Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zu bringen", so Grünen-Vorstandssprecherin Susanne Steigner-Brecht, habe man Fachleute aufs Podium geholt, die Aufschluss geben sollten, was denn nun „gutes Essen" ist.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken erwies sich als praxiserfahrene Kennerin der Situation mit umsetzbaren Vorstellungen. Wenn der Rahmen stimmt, denn Qualität hat ihren Preis. Also lieber öfter auf Fleisch verzichten und dafür auf Bioprodukte achten, so ihr Vorschlag. „Rheinland-Pfalz hat bundesweit den schlechtesten Platz in Bezug auf das Essen", weiß Höfken, und dass die Deutschen lediglich elf Prozent ihres Geldes für Essen ausgeben.
Die Ideallösung für große Schulen sieht Höfken in einer eigenen Küche, lärmarmen Speisesälen und einem Schulgesetz wie in Sachsen-Anhalt, das ein Mittagessen verpflichtend vorschreibt. Ein „Runder Tisch", an dem alle gemeinsam das Landauer Süppchen kochen, könnte dem Bedarf und den Bedürfnissen vor Ort gerecht werden, schlug sie vor. Den Eltern legte Höfken ans Herz, sich zu kümmern, zu überprüfen, ob die Qualität stimme. Auf allen Ebenen gelte es, ein verstärktes Bewusstsein zu schaffen dafür, dass immer mehr Schüler immer mehr Zeit in der Schule verbringen. Lediglich 19 Prozent aller Schüler werden im Rahmen der Ganztagsschule in der Bildungseinrichtung verköstigt. Alle anderen müssen zusehen, wie sich der Bauch füllt, um bis zu zehn Schulstunden lang konzentrationsfähig zu bleiben. Ausbilder Reinhard Metz berichtete vom „Hamburger-Frühstück" seiner Jugendlichen und forderte längere Mittagspausen und die Lehrerbildung.
„Vorbeugen ist besser als Heilen", verkündete Kurt Becker und forderte Investitionen in Prävention und Aufklärung sowie die Bewegungsförderung auch in der Schule. „Der Anfang einer guten Ernährung liegt immer noch im Vorbild der Eltern', betonte der Allgemein- und Sportmediziner. Aber immer mehr Eltern fehle es an Grundfertigkeiten in Sachen Haushaltsführung und Kochen, klagte Verbraucherschützerin Waltraud Fesser. Kinder, die mit Fertignahrung und Tiefkühlkost aufwüchsen, würden den Geschmack von natürlichen Nahrungsmitteln nicht kennen und müssten entsprechend geschult werden. Das Beiwort „gesund" reize zur generellen Antwort „Bäh" und müsse deshalb tunlichst vermieden werden, verkündete Iris Brandenburger, Ernährungswissenschaftlerin an der Landauer Uni. Nach dem sehr langem Podiumsgespräch hatte Moderator Björn Hayer Mühe, die Wortmeldungen aus dem Publikum zu lenken. Viele konkrete Fragen blieben offen. (srs)
« zurück