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Süß und fett? Oder lecker und gesund?

09.02.2010: 

DIE RHEINPFALZ - von Sabine Schilling

Über 850 Kinder und Jugendliche essen an Landauer Schulen zu Mittag. Ob sie es genießen können oder nur vertilgen, beschäftigt die Grünen im Stadtrat. Sie haben der Verwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog auf den Tisch gelegt. Der Schulträgerausschuss soll in seiner Sitzung am 10. März genauer in die Töpfe der Mittagsküchen schauen.

Von Sabine Schilling
Das warme Mittagessen, das an mindestens neun der 18 Schulen in der Stadt angeboten wird, verdrücken Unter- und Mittelstufenschüler, die nachmittags entweder noch Unterricht haben oder in der Schule die Hausaufgaben erledigen und bis 16 Uhr betreut werden. In der Regel werden die Speisen von Großküchen oder Caterern angeliefert.
„Immer mehr Kinder essen mittags in der Schule", stellen Susanne Schröer und Renate Steigner-Brecht, die beiden Sprecherinnen der Landauer Grünen, im Gespräch mit der RHEINPFALZ fest. „Zwischen 12 und 13 Uhr brauchen sie eine ausgewogene Ernährung." In den Fällen, in denen die Mahlzeiten bereits um 7 Uhr gekocht und dann erst Stunden später verspeist würden, hinke man diesem Anspruch meilenweit hinterher. „Das Essen ist meist sehr süß, sehr fettig und oft nur noch lauwarm."
Die Grünen sammeln Fakten und möchten dann über Verbesserungen des Angebots diskutieren. Nachhaltigkeit ist das Schlagwort, kurze Transportwege gehören für sie dazu. Ebenso ein saisonal abgestimmtes Angebot.
Im Haushalt der Stadt für 2010 sind 413.000 Euro an Zuschüssen für Mittagessen an Schulen eingeplant. Insgesamt 253.000 Euro wurden im Jahr 2008 ausgezahlt. Diese beiden Zahlen waren der Ausgangspunkt für die Anfrage der Grünen, die nicht nur auf die Qualität des Essens und die Kosten zielt, sondern auch auf Lieferantenverträge und Verpflegungssysteme.
Die RHEINPFALZ hat bei zwei Schulen nachgefragt - und dabei nur Lob gehört.
Die 131 Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) werden von der Casino-Küche der Sparkasse Südliche Weinstraße bekocht. „Das Essen ist sehr lecker", berichtet Hedwig Ziegler, Leiterin der Ganztagsschule am OHG. 2,67 Euro zahlen die Eltern pro Mahlzeit ihrer Sprösslinge, den Rest trägt die Stadt. Lehrer werden mit dem vollen Betrag zur Kasse gebeten, 3,30 Euro.
Nur Gutes weiß auch Margot Dejon zu berichten. Mit drei Kolleginnen betreut sie bereits im zweiten Schuljahr 30 bis 40 Kinder täglich beim Essen an der Grundschule Wollmesheimer Höhe. Beliefert werden sie von der Küche im Vinzentius-Krankenhaus. Da die Eltern für das Essen aufkommen - jeweils mit drei Euro - taucht die Wollmesheimer Höhe in der Essensstatistik der Stadt nicht auf. Laut Dejon gehen einige Kinder nach dem Essen nach Hause, andere bleiben bis 16 Uhr. Mit der Qualität der Speisen ist Dejon sehr zufrieden. Die Küche berücksichtige Milchallergie oder andere Unverträglichkeiten.
Schröer und Steigner träumen von einer klimaneutralen Schulkantine, wie sie zum Beispiel in Berlin funktioniert. Parteifreund Klaus Helbig hat sie bei einem Besuch im Wahlkampf 2009 mit seinen Erfahrungsberichten beeindruckt, die Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken zum Vorstoß ermuntert.
Auf jeden Fall machen sich die Grünen stark für ausgewogene Mahlzeiten, frisch zubereitet und kindgerecht. Kantinenessen werde diesem Anspruch sicher nicht gerecht. „Schließlich findet im Schulalter die Prägung des Essverhaltens statt", sagt Schroer. Falsche Ernährung könne zu Spätfolgen führen. „Für mich ist das auch eine Kulturfrage." Steigner-Brecht - als Lehrerin an der Nordringschule gibt sie an zwei Tagen wöchentlich am Imbiss Essen aus, ansonsten liefert der Adamshof aus Kandel - hat die Erfahrung gemacht, dass die Kinder neugierig sind auf anderes Essen. „Vollwertiges Essen muss nicht teurer sein", sagt sie.


Insgesamt bezuschusst die Stadt das Essen von 829 Schülern:
Pestalozzigrundschule 209
Grundschule Horstring 63
Thomas-Nast-Grundschule 57
Nordringschule 106
Otto-Hahn-Gymnasium 131
Hauptschule West 43
Konrad-Adenauer-Realschule 100
Duale Oberschule/Real. plus 117

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