Bei ihrem Antrittsbesuch in der Pfalz kam Grünen-Europaabgeordnete Franziska Brantner am vergangenen Freitag im Nußdorfer Weingut Rummel mit Winzern und Vertretern der Grünen aus der Region zusammen, um über ihre Arbeit im Europäischen Parlament zu berichten.
Winzerin Susanne Rummel brachte den Gästen den hauseigenen ökologischen Weinbau näher. Eigentlich komme sie ja aus der Frauenrechtsbewegung, erzählte Brantner den rund 20 Gästen in gemütlicher Runde. Früher habe sie im Auftrag der Vereinten Nationen zum Beispiel die Arbeit der EU in diesem Bereich überwacht. Daraus sei dann irgendwann der Wunsch entstanden, selbst ins Europäische Parlament einzuziehen. Und der erfüllte sich für Franziska Brantner im Jahr 2009.
Heute sitzt sie unter anderem im Haushaltsausschuss, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: „Es geht nur voran, wenn man das Geld dazu hat." Brantner betonte in Nußdorf, Europa müsse „Solidarität mit allen zeigen" und sprach sich gegen einen Länderfinanzausgleich auf europäischer Ebene aus, der das Geld „einfach nur von den reicheren zu den ärmeren Ländern" verteile. Die schwächsten Regionen müssten überall gefördert werden, egal in welchem Land der EU.
Die Zukunft der Agrarpolitik liege ihr besonders am Herzen, erklärte Brantner. Deswegen arbeite sie zusammen mit der Universität Mannheim an einem Projekt zur Frage „Wo gehen in der Region die EU-Gelder hin?". Als Abgeordnete für den Raum Rhein-Neckar-Pfalz hält sie es für wichtig, „Europa in die Region zu tragen". Sie versuche, alle Ebenen zusammenzubringen, also einerseits mit den Betroffenen über die Arbeit der EU zu sprechen und andererseits deren Anliegen mitzunehmen ins Parlament. Dieses Vorgehen hält Brantner auch im Hinblick auf den Zusammenhang von Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit für unabdingbar: „Mit dem heutigen Ernährungsstil können wir uns unser Gesundheitssystem bald nicht mehr leisten."
Diesen Faden griff Susanne Rummel auf und erzählte vom langen Weg ihres Weinguts seit der Umstellung auf ökologischen Weinbau im Jahr 1994. Von Anfang an hätten sie und ihr Mann auf einen offenen Umgang mit der eigenen Arbeit gesetzt, zum Beispiel als sie gentechnikfrei gezüchtete, pilzresistente Rebsorten einsetzten. Hier müssen man mit den Kunden sprechen, um Vorurteile und Ängste abzubauen - die „Kommunikationskultur pflegen", wie Rummel es ausdrückte. Und natürlich müsse das Produkt bei aller Naturverbundenheit „auch gut schmecken". Im Wettlauf um gute Rebsorten habe der Bio-Weinbau sogar einen kleinen Vorteil gegenüber der Gentechnik, meinte Rummel: „Die Natur macht das völlig umsonst für uns." Nun müssten nur noch die „Fallstricke der Politik" reduziert werden, etwa die strengen Regeln für den Anbau neuer pilzresistenter Sorten, sagte Rummel. Trotz aller Schwierigkeiten sehe sie aber einen erfreulichen Trend zur Umstellung auf ökologischen Weinbau.
Eine Vertreterin der Landauer Grünen brachte es schließlich auf den Punkt: „Die Zeiten, als Bio-Winzern die Scheiben eingeworfen wurden, sind endgültig vorbei." (brüc)
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