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Einkaufszentrum zerplatzt wie eine Seifenblase

16.04.2008: 

DIE RHEINPFALZ

Oberbürgermeister Schlimmer tief enttäuscht: „Landau am Scheideweg"

Der Traum vom Einkaufszentrum auf dem Areal Gauer zwischen Rathausplatz und Waffenstraße ist wohl ausgeträumt. Die Familie Gauer wird in der Marktstraße keine Immobilie verkaufen. „Wenn sich Gauer jetzt anders orientiert, ist das Thema Einkaufszentrum auf Jahre hinaus erledigt", äußerte sich Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer gestern gegenüber der RHEINPFALZ enttäuscht.

„Wir werden uns von keinen Betriebsgrundstücken an der Marktstraße trennen", betonte gestern Wolfgang Gauer. Gerüchte, wonach das Unternehmen aufgebe und sich eine Bank in den Traditionsräumen ansiedeln werde, wollte er nicht bestätigen. „Es gibt keinen Vertrag mit einer Bank. Wir werden nach wie vor mit unserem Angebot am angestammten Platz vertreten sein und auch unsere 28 Mitarbeiter haben nichts zu befürchten." Die Familie sei von dem Projekt eines Einkaufszentrums quasi überrollt worden, warb Gauer um Verständnis für die Entscheidung des Familienrates, der es sich nicht leicht gemacht habe. Gauer kündigte auch Modernisierungsmaßnahmen in der in die Jahre gekommenen Immobilie an. Gauer: „Kritik in diese Richtung haben wir vernommen und wollen deshalb auch etwas tun."

Verwaltungschef Hans-Dieter Schlimmer bedauerte die Entscheidung der Familie zutiefst, weil der Standort Gauer die einmalige Chance geboten hätte, das Gelände in dieser Top-Lage endlich neu und vor allem attraktiv zu entwickeln. Da die Stadt in den vergangenen Monaten habe davon ausgehen können, dass Gauer dem Projekt durchaus zugetan ist, habe die Stadt den Gutachter eingeschaltet und auch die Projektentwicklungsfirmen animiert, Vorschläge für dieses Gelände zu unterbreiten. „Wenn sich Gauer aber tatsächlich aus dem Projekt verabschiedet, dann macht auch die Präsentation am 20. Mai im Stadtrat keinen Sinn mehr." Schlimmer gab zu bedenken, dass es derzeit kein adäquates anderes Gelände für ein solches Einkaufszentrum in 1-a-Lage in Landaus Innenstadt gibt. „Auf Jahre hinaus wird es uns jetzt wohl nicht mehr gelingen, den so notwendigen Einzelhandelsimpuls zu geben", unterstrich Schlimmer, den diese Entwicklung überrascht und enttäuscht hat. „Es gibt schließlich eine Nähe der Familie Gauer zum Stadtrat." Wolfgang Gauer ist Mitglied der FWG-Fraktion. Der Oberbürgermeister hätte sich zu einem früheren Zeitpunkt „wenigstens ein internes Signal" gewünscht. Schließlich debattiere der Stadtrat bereits seit zehn Monaten über eine Handelsimmobilie an diesem Platz. Die Gespräche mit den dort ansässigen übrigen Grundstückseigentümern seien recht gut gelaufen. Umso härter treffe ihn jetzt die Gauer-Entscheidung. „Es wäre das Leuchtturm-Gebäude für das neue Zentrum geworden", sagte Schlimmer.

Würde sich dort entgegen der Feststellungen Gauers doch eine Bank ansiedeln, dann wäre dies Schlimmer zufolge „ein ganz schlechtes Signal" für den Einzelhandel. „Wir brauchen keine weitere Bank in der Innenstadt", findet der Stadtchef. Für den morgigen Donnerstag hat Schlimmer den Vorstand des Stadtmarketing-Vereins einberufen. Die Stadt könne den Einzelhandel zwar nicht steuern, aber durchaus Impulse geben. Jetzt aber stehe Landau am Scheideweg.

Quelle: DIE RHEINPFALZ, 16. April 2008

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